Düsseldorf: LUKAS, die Künstlerfarben- und Maltuchmanufaktur
Oft fuhr ich an der Firma LUKAS im Düsseldorfer Stadtteil Wersten vorbei. Und wusste, dass diese Firma seit vielen Jahren die bekannten Künstlerfarben herstellt. Und sah ein Fabrikgebäude, wie es Unzählige in der Stadt gibt.
Nun hatte ich aber kurzfristig die Gelegenheit, durch eine Werksbesichtigung Einblicke in jene Firma zu erhalten, die mir von außen so ganz normal und eigentlich auch recht unscheinbar erschien.
Und schnell sollte ich meine Meinung ändern.
Im Jahre 1862 gründete Kommerzienrat Dr. Franz Schoenfeld die Firma in der Düsseldorfer Bismarckstraße. Die Firma wuchs, und im Jahr 1899 nahm man die Maltuchproduktion auf. 1907 übertrug Kommerzienrat Dr. Franz Schoenfeld die Leitung der Firma seinem Sohn Paul Schoenfeld. Nur vier Jahre später verstarb der Gründer der Firma LUKAS.
1919 übernahm Dr. Eduard Talbot die Geschäftsführung von seinem Onkel Paul Schoenfeld, der 1920 verstarb.
Durch die Kriegswirren wurde das Fabrikgebäude zerstört und man musste auf andere Gebäude in Forchheim und Viersen ausweichen, wobei aber die Geschäftsleitung in Düsseldorf verblieb.
1945 konnte die Produktion in Düsseldorf-Heerdt wieder aufgenommen werden, 6 Jahre später übersiedelte man in das wiederaufgebaute Stammhaus auf der Adlerstraße/Pempelforter Straße.
1955 verstarb Dr. Eduard Talbot, seine Tochter Christa Talbot übernahm die Geschäftsleitung.
1960 zog man in die neu errichteten Fabrikations- und Büroräume auf der Harffstraße 40, in der die Firma LUKAS noch heute ansässig ist.
1962 feierte man das 100jährige Bestehen der Firma Dr. Fr. Schoenfeld & Co. in Düsseldorf. Und seit diesem Zeitpunkt besteht auch das LUKAS-Firmenlogo in seiner jetzigen Form und zeigt den stilisierten Schutzpatron der Maler und Künstler: den Heiligen Lukas.

Bis heute werden auf der Harffstraße alle Schoenfeld-Malfarben produziert, seit 1998 unter der Obhut von Hubertus Heusgen, dem Ururgroßneffen des Gründers Franz Schoenfeld.
Ca. 60 Mitarbeiter kümmern sich tagtäglich darum, dass auf traditionelle Art und Weise und –wo immer möglich- in Handarbeit Farben und Malmittel, insgesamt ca. 5000 Artikel, entstehen, die den höchsten Ansprüchen gerecht werden.
Betritt man das Firmengebäude, hat man direkt den Eindruck, in einem Familienbetrieb zu stehen, in einem Betrieb also, in dem auch ein familiäres Arbeitsklima herrscht. Die Mitarbeiter sind freundlich und gehen offensichtlich gewissenhaft ihren Aufgaben nach. Man sieht Maschinen mit eingeprägten Jahreszahlen, z.B. von 1960, die aber augenscheinlich nicht gealtert sind, sondern noch so hervorragend ihren Dienst versehen, dass neumodische Geräte sie nicht ersetzen können.
Natürlich werden auch hier z.B. die Farben nach geltenden Richtlinien und Vorschriften hergestellt, doch wichtig ist es, auch den *Faktor Mensch* hervorzuheben. Sehr hochwertige Farben, deren Chargenmengen nicht so groß sind, werden oftmals noch in Handarbeit abgefüllt und manuell mit Etiketten versehen. Häufig erfolgt dann auch noch die Verpackung in die entsprechenden Kartons mit der Hand.

Ich habe die Fa. LUKAS als einen Betrieb kennengelernt, in dem man Hand in Hand arbeitet und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Je länger ich in diesem Hause verblieb, desto besser verstand ich z.B. die Firmen- und Preispolitik. Ich hatte mich bislang gescheut, den immer etwas höheren Preis für LUKAS-Farben zu zahlen, doch seitdem ich gesehen habe, auf welche Art und Weise und in welchem Umfeld die Produkte hergestellt werden, die man im Handel neben unzähligen anderen Marken wiederfindet, verbindet mich eine wertvolle, fast schon nostalgisch anmutende Erfahrung mit diesen Farben, und ich werde sicherlich demnächst einmal öfters darüber nachdenken, welcher Firma ich den Vorzug bei der Wahl meiner Farben geben werde.
Logo und Fotos für die Collage: LUKAS Künstlerfarben- u. Maltuchfabrik, Düsseldorf
